Texte aus dem Schreibworkshop mit Gabi Kreslehner

Wir präsentieren euch wirklich außerordentliche Texte, die aus dem Schreibworkshop mit Gabi Kreslehner am 23. November 2016 anlässlich unserer Youth Night entstanden sind:

Rochelle hat uns vor allem lyrische Texte geschickt:

Metaphern aus Gedichten:

vergeblich in Bächen und Teichen, dein Gesicht gesucht
so schwerelos wie Schmetterlinge
ein Mühlenrad, das mahlt nichts als Liebe
im atemlosen Schmerz
das Kleid der Einfalt
tausend Väter, Mütter, Bräute die glücklich waren
in ihren hellen Augen

Meine Gedichte dazu:

Verlust
Tausend Väter, Mütter, Bräute waren glücklich
Einst, so schwerelos wie Schmetterlinge
Heute in atemlosem Schmerz
Vergeblich suchen sie in Bächen und Teichen ein bekanntes Gesicht

verlorene Liebe
atemloser Schmerz
in ihren hellen Augen
am Mühlenrad, das nichts als Liebe mahlt
jedoch verloren den Geliebten
was nun?

Meine Kurzgeschichte:

ICH SCHAU IN DEIN GESICHT UND, höre deine stummen Schreie!
Die Zeit hat dich geprägt, deinen Glanz von Einst hast du längst verloren. Stumm starrst du die Wand an. Mich nimmst du kaum noch wahr. Das stört mich nicht, du machst es schon lange nicht mehr.
Ich schaue in deine trüben blauen Augen, die einst alle Männer verzaubert haben. Welche Gefühle muss es in dir ausgelöst haben, ihre Blicke auf dir zu spüren? Wie war es für dich als du das erste Mal verliebt warst? So viele Fragen, die ich dir gerne stellen würde. Die Antworten sind irgendwo in dir verborgen, das weiß ich! Vieleicht erlebst du in deinem Kopf gerade alles noch einmal.
Ich hoffe du erinnerst dich an tausend schöne Dinge, während du hier sitzt und die Wand anstarrst.
Erinnerst du dich an das Gefühl von Glück? Daran, wenn man ganz weiche Knie hat vor Aufregung, sich beinahe schwerelos fühlt, bei einem wichtigen Treffen? Manchmal sehe ich dich lächeln, dein Ausdruck wird ganz weich und sanft. Dein Blick erzählt in solchen Momenten eine Liebesgeschichte, so schön wie deine es war. Irgendwann wirst du wieder frei sein und fliegen. Bis dahin höre ich mir deine stummen Geschichten an. Sie berühren mein Herz viel mehr als Worte es jemals könnten.
Oma ich liebe dich, deine Marie.

Das Gedicht zu meiner Geschichte:

vergangenes vergessen,
erübtes trotzdem erlebt,
leben und lieben,
bestehen für die Erinnerung

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Lena war ebenfalls sehr kreativ:

winter I
falscher Wind
weht über
den buntschnee
mit geröteten
wangen der kälte schenkt
er mir
rosen aus kristall
ich liebe ihn
und doch hat
er keinen namen
bei dem ich ihn
rufen soll.

winter II
mondbeglänzt
spüre ich die
gestaltlosen stimmen
die ihn zieren
die runde lust
fühle seinen atem
schaue in seine violetten
augen

winter III
sein eis schmilzt
er verblasst
geh nicht
ich liebe dich doch
violettes eis zerbricht
klirr

winter IV
ich liebe ihn
nicht mit seiner
schleimenden art
mich mit ungeborenen
geigen zu vergnügen
ich hasse den frühling

winter V
nach
all
denen
die mich
hintergangen
haben taucht
er auf in einem
blizzard aus
zerbrochenen
sternen ich
lehne mich
an ihn zusammen
im buntschnee
rieche seinen eisigen
duft

Jeanne oder Jule?

Im Wunderland meiner Träume, weißt du, sind alle Dinge sonnengelb. Im Wunderland ist Vater noch am Leben. Mutter sagt, er war auf tosender See unterwegs, das Wasser schwarz wie die Nacht und dann stand da ein riesiges Skelett mit wehendem Umhang. Ich glaube es nicht. Weiter will ich nicht mehr hören. Ich presse die Hände auf meine Ohren und singe. Irgendetwas. Hauptsache, ich höre das nicht. Er lebt. Vater lebt. Lebt. L-e-b-t. Atmet. Aber das will sowieso keiner hören. Ich muss es glauben. Und wenn ich das tun muss, dann ersticke ich. Meine weizenblonden Haare mache ich mir immer so, wie Vater es mochte. In zwei Zöpfen, die von meinem Kopf abstehen. Er ist nicht tot. Ich starre aus dem Fenster. Draußen ist es fröhlich, bunt, lebendig. So gut es geht im Krieg. Schutt und Asche. Jeanne, ruft sie, Jeanne, komm bitte essen! Eine Tränee rollt mir über die Wange. Sie schmeckt salzig. Wie das Meer, in dem Vater ertrunken ist. Für Führer, Volk und Vaterland. Jetzt sind wir nach Frankreich geflohen. In Deutschland hieß ich Jule, hier heiße ich Jeanne. Ich bin viel zu bunt, zu bunt für mein schwarzes Herz, im rosaroten Kleid, mit meerblauen Augen. Jeanne, ruft sie, Jeanne, komm bitte essen! Ich kann den schwarzen Brief nicht sehen. Sie sind alle gekommen, um sich von ihm zu verabschieden. Für immer. In meinem Wunderland der Träume, weißt du, sind die Dinge sonnengelb, nicht schwarz. Plötzlich pocht es an der Tür. Ich mache auf. Da steht er. Gesund und munter, von seinem gebrochenem Arm einmal abgesehen. Ich falle ihm um den Hals. Mutter schreit auf. Wir sind vereint.

jeanne
ruft
sie
für führer, volk und vaterland
schreit er, die hand erhoben zum hitlergruß.
gelb nicht schwarz.
real. realität.
bitte.

Wir bedanken uns bei den JungautorInnen und wünschen Ihnen viel Erfolg und tolle Einfälle!

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